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Der Deutsche von Bayencourt – Unpatriotischer Roman

13,90

Format: Taschenbuch (Edition Widergänger)
Erschienen: 05.10.2017
Seitenzahl: 326
ISBN: 978-3944953-564

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Adam Kuckhoff,
Der Deutsche von Bayencourt (1937)

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„Man kann Franzose und ein Schweinehund sein. Aber ein Ehrenmann ist man oder ist es nicht, und wenn man es ist, so bleibt man es auch, man kann es nicht heute sein und morgen nicht sein. Und ein Ehrenmann kann auch nichts anderes als die Pflicht gegen sein Land tun, nicht wahr?“

Bayencourt in der Picardie, Mitte 1914: Als der Erste Weltkrieg ausbricht, gerät der deutschstämmige Landwirt Bernhard Sommer – seit 1897 französischer Bürger – plötzlich zwischen die Fronten: viele seiner Mitbürger verlieren das Vertrauen, manche halten ihn sogar für einen Verräter. Sommer selbst verzweifelt an seiner Pflicht, ein „guter“ Franzose zu sein, ohne es als Deutscher wirklich sein zu können. Als die Front näher kommt und eine deutsche Patrouille auf seinem Hof Zuflucht sucht, eskaliert die Situation vollends…

Adam Kuckhoffs als historischer Roman getarnte Patriotismus-Kritik erschien 1937 zunächst im Feuilleton der Köllnischen Zeitung, kurz darauf als Buch im Rowohlt-Verlag. Für Kuckhoff war die Publikation ein Akt des Widerstandes — es ging ihm darum, das „politische Bewußtsein der Leser wachzuhalten und ihren Blick zu schärfen“ (Greta Kuckhoff). Während des Zweiten Weltkrieges war Kuckhoff als Mitglied der „Roten Kapelle“ aktiv, 1943 wurde er vom Volksgerichtshof wegen „Kriegsverrats“ zum Tode verurteilt und hingerichtet.

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Adam KuckhoffAls Adam Kuckhoff Anfang der 1930er Jahre als literarisches Début den Künstlerroman “Scherry” veröffentlichte, konnte er bereits auf zahlreiche Erfahrungen mit dem Kunstbetrieb zurückblicken, insbesondere als Intendant des Frankfurter Künstlertheaters, einer Wanderbühne des “Rhein-Mainischen Verbandes für Volksbildung”. Sein publizistisches Wirken reichte von der Herausgabe einer Volksausgabe der Werke Georg Büchners bis zur zeitweisen redaktionellen Leitung der Zeitschrift “Die TAT”.

Mit der Machtergreifung der Nazis wurde das politische Engagement Kuckhoffs konkreter, und notwendigerweise klandestiner: der Mittvierziger schloss sich dem antifaschistischen Untergrundkampf gegen das Regime an, zusammen mit Arvid Harnack, Harro Schulze-Boysen und John Sieg gehörte er zu den wichtigsten Mitgliedern der weit vernetzten Widerstandsgruppe “Rote Kapelle” in Berlin.

Parallel arbeitete Kuckhoff nach 1933 als Lektor für den Ullstein-Verlag, auch schriftstellerisch blieb er tätig: 1937 kam zunächst in der Kölnischen Zeitung als Fortsetzungsroman, dann bei Rowohlt als Buch der “Der Deutsche von Bayencourt” heraus. Schon während des Ersten Weltkrieges hatte Kuckhoff den Stoff zu einem Drama verarbeitet.

Mit „Strogany und die Vermissten“ erschien dann 1940/41 der wohl der ungewöhnlichste Kriminalroman, der während des Dritten Reiches in Deutschland veröffentlicht wurde: Adam Kuckhoff schmuggelte zusammen mit Ko-Autor Peter Tarin alias Edwin Tietjens zahlreiche zeitkritische Passagen in den Text.

Der zunächst als Fortsetzungsroman in der „Kölnischen Zeitung“, dann als Buch erschienene Krimi blieb jedoch der einzige Fall rund um Strogany, den St. Petersburger Sherlock Holmes. Denn als 1942 die Widerstandskämpfer der “Roten Kapelle” durch abgehörte Funksprüche enttarnt wurden, geriet auch Kuckhoff in die Fänge der GeStaPo. Durch den Volksgerichtshof zum Tode verurteilt, endete sein Leben am 5. Oktober 1943 im Alter von nur 56 Jahren unter dem Fallbeil. Erst im Jahr 2009 wurde das Urteil durch einen Beschluss des deutschen Bundestages annulliert.

Portrait:
Adam Kuckhoff auf DDR-Briefmarke (1964),
Wikimedia/Public Domain