Scherry-Frontcover

Scherry – Eine Begegnung

12,90

Format: Taschenbuch (Edition Widergänger)
Erschienen: 25.11.2014
Seitenzahl: 228
ISBN: 978-3-944953-28-1

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Adam Kuckhoff, Scherry – Eine Begegnung (1931)

„Verflucht nochmal: Wenn zu einem Werk die zweiten Männer nötig sind, und sie weigern sich, es zu sein, was soll man da mit ihnen anfangen? Ich habe nie in das Lamento mit einstimmen können, wenn bei großen Ereignissen Menschen verbraucht wurden.“

Der Schriftsteller, Publizist und Dramaturg Adam Kuckhoff (1887 -1943) verfasste seinen Débutroman „Scherry“ gegen Ende der Weimarer Republik. Die darin erzählte Begegnung mit dem fiktiven Clown Scherry und dessen Partner Doré darf als Hommage an das reale Vorbild Grock gelten – doch zugleich geht es um die Utopie der Gemeinschaft und deren alltägliches Scheitern im rücksichtslosen Kampf aller gegen alle.

Das Scherry’sche Dilemma lässt sich nicht so einfach als Einzelfall abtun, Kuckhoff wollte den Text denn auch als Schlüsselroman seiner Zeit verstanden wissen. Anfang der Dreißiger Jahre schrieb er:

„Im übrigen umfaßt das Thema des ‚Scherry‘ so ziemlich alles, was sich über das Verhältnis von Mensch zu Mensch, dem wirklichen DU, wie ich es nenne, von Mensch und Kunst, von Einzelnen und Masse, von Pseudoerlebnis und Realität sagen lässt“.

Die Konsequenz aus dem Kampf aller gegen alle in der kapitalistischen Leistungsgesellschaft war für den überzeugten Kommunisten Kuckhoff klar — der Liberalismus schien ihm lediglich noch „Ausdruck einer ablaufenden Weltzeit“, und dass man sich „durch die Parole ‚Kunst‘ zwischen den Gegensätzen durchschlängeln könne“, hielt er schon 1927 in einem Brief an Benno Reifenberg, Redakteur der Frankfurter Zeitung, für eine „kindliche Endmeinung“.

Biographisches zu Adam Kuckhoff

Adam KuckhoffAls Kuckhoff seinen Débutroman „Scherry“ zu Papier brachte, konnte er bereits auf zahlreiche Erfahrungen mit dem Kunstbetrieb zurückblicken, insbesondere als Intendant des Frankfurter Künstlertheaters, einer Wanderbühne des „Rhein-Mainischen Verbandes für Volksbildung“. Sein publizistisches Wirken reichte von der Herausgabe einer Volksausgabe der Werke Georg Büchners bis zur zeitweisen redaktionellen Leitung der Zeitschrift „Die TAT“.

Mit der Machtergreifung der Nazis wurde das politische Engagement Kuckhoffs konkreter, und notwendigerweise klandestiner: der Mittvierziger schloss sich dem antifaschistischen Untergrundkampf gegen das Regime an, zusammen mit Arvid Harnack, Harro Schulze-Boysen und John Sieg gehörte er zu den wichtigsten Mitgliedern der weit vernetzten Widerstandsgruppe „Rote Kapelle“ in Berlin.

Parallel arbeitete Kuckhoff nach 1933 als Lektor für den Ullstein-Verlag, auch schriftstellerisch blieb er tätig: 1937 erschien bei Rowohlt der „Der Deutsche von Bayencourt“, die Romanfassung eines Dramas, das bereits während des Ersten Weltkriegs entstanden war — erzählt wird die tragische Geschicht eines deutschstämmigen Gutsbesitzers mit französischer Staatsbürgerschaft, der zu Beginn des Westfeldzugs zwischen die Fronten gerät.

Im Jahr 1941 veröffentlichte Kuckhoff zusammen mit Peter Tarin alias Edwin Tietjens „Strogany und die Vermissten“ (siehe die Neuausgabe von ebooknews press), einen historischen Kriminalroman, der sich um eine Serie von Raubmorden in St. Petersburg um das Jahr 1910 dreht, sich zwischen den Zeilen aber als deutliche Zeitkritik lesen lässt.

Als führende Mitglieder der „Roten Kapelle“ im Jahr 1942 enttarnt wurden, geriet auch Adam Kuckhoff in die Fänge der Geheimen Staatspolizei. Nach Prozeß und Todesurteil wegen „Kriegsverrats“ durch den Volksgerichtshof endete sein Leben im Alter von nur 56 Jahren am 5. Oktober 1943 in Berlin-Plötzensee durch das Fallbeil. Erst im Jahr 2009 wurde das Urteil durch einen Beschluss des deutschen Bundestages annulliert.

Die hier vorgelegte Version von „Scherry“ ist zugleich Band Eins einer neuen Reihe mit ausgewählten Werken Adam Kuckhoffs, die in Kürze mit „Der Deutsche von Bayencourt“ sowie „Strogany und die Vermißten“ erweitert wird.


Coverabbildung:
Clown Grock am unsichtbaren Cello (Berliner Scala, 1939)
Fotograf: Willy Pragher
Quelle:
Landesarchiv Baden-Württemberg,
Abt. Staatsarchiv Freiburg,
W 134 Nr. 010256b
(cc-by-3.0-de)

Portrait:
Adam Kuckhoff auf DDR-Briefmarke (1964),
Wikimedia/Public Domain