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Strogany und die Vermissten – Kriminalroman

13,90

Format: Taschenbuch (Edition Widergänger)
Erschienen: 15.03.2016
Seitenzahl: 326
ISBN: 978-3-944953-434

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Adam Kuckhoff & Peter Tarin,
Strogany und die Vermissten (1941)

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„Es war in St. Petersburg im Winter 1909/10, in der Zeit zwischen der Revolution und dem Ausbruch des Weltkriegs. Im Zarenreich herrschte Ruhe. Zwar gab es hin und wieder noch Attentate auf hohe Staatsbeamte und Mitglieder der kaiserlichen Familie, aber daran war man seit Jahrzehnten gewöhnt. Selbst die blutigste Sensation stumpft ab, wenn sie alltäglich wird. Und so erweckte das unerklärliche Verschwinden einer Anzahl von Mitgliedern der ersten Gesellschaftskreise in diesem Winter einen größeren Widerhall als jene Attentate…“

Strogany und die Vermissten (1940/41) ist wohl der ungewöhnlichste Kriminalroman, der während des Dritten Reiches in Deutschland veröffentlicht wurde: Autor Adam Kuckhoff (1887 – 1943) war im Widerstand gegen das Nazi-Regime aktiv, und schmuggelte zusammen mit Ko-Autor Peter Tarin alias Edwin Tietjens (1894 – 1944) zahlreiche zeitkritische Passagen in den Text.

Der zunächst als Fortsetzungsroman in der „Kölnischen Zeitung“, dann als Buch erschienene Krimi blieb jedoch der einzige Fall rund um Strogany, den St. Petersburger Sherlock Holmes. Denn als 1942 die Widerstandskämpfer der “Roten Kapelle” durch abgehörte Funksprüche enttarnt wurden, geriet auch Kuckhoff in die Fänge der GeStaPo. Durch den Volksgerichtshof zum Tode verurteilt, endete sein Leben am 5. Oktober 1943 im Alter von nur 56 Jahren unter dem Fallbeil. Erst im Jahr 2009 wurde das Urteil durch einen Beschluss des deutschen Bundestages annulliert.

Kuckhoffs Ko-Autor und Motivgeber Peter Tarin alias Edwin Tietjens entging als weniger exponiertes Mitglied der „Roten Kapelle“ den Verhaftungswellen, sollte jedoch das Ende der Nazi-Dikatatur ebenfalls nicht mehr erleben: der ursprünglich aus Petersburg stammende Berliner Psychiater und Werbefachmann starb im Mai 1944 an den Folgen eines Herzinfarkts.

Nach der Erstauflage von „Strogany“ 1941 wurde Kuckhoffs oppositioneller Krimi nie wieder neu aufgelegt. Bis jetzt: Als zweiten Band der „Edition Widergänger“ bringt ebooknews press „Strogany und die Vermissten“ nun ungekürzt als Taschenbuch und E-Book neu heraus,inklusive eines Nachwortes des Herausgebers.

Was Kritiker zu „Strogany“ sagen:

„…nicht nur wegen seiner gut getarnten Kritik am NS-Staat interessant, sondern auch, weil die Spannungselemente genutzt wurden, um in Milieus einzutauchen und gesellschaftliche Zustände zu beschreiben. Die Hauptfigur hätte durchaus Serienpotenzial gehabt.“
(DLF Büchermarkt, 11.05.2016)

„75 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung wurde »Strogany und die Vermissten« nun von dem kleinen Berliner Verlag E-Book-News Press in der Edition Widergänger erneut publiziert. Eine längst überfällige Wiederentdeckung“.
(Jungle World Nr. 24, 16. Juni 2016)

Mehr zu Adam Kuckhoff:

Adam KuckhoffAls Adam Kuckhoff Anfang der 1930er Jahre als literarisches Début den Künstlerroman “Scherry” veröffentlichte, konnte er bereits auf zahlreiche Erfahrungen mit dem Kunstbetrieb zurückblicken, insbesondere als Intendant des Frankfurter Künstlertheaters, einer Wanderbühne des “Rhein-Mainischen Verbandes für Volksbildung”. Sein publizistisches Wirken reichte von der Herausgabe einer Volksausgabe der Werke Georg Büchners bis zur zeitweisen redaktionellen Leitung der Zeitschrift “Die TAT”.

Mit der Machtergreifung der Nazis wurde das politische Engagement Kuckhoffs konkreter, und notwendigerweise klandestiner: der Mittvierziger schloss sich dem antifaschistischen Untergrundkampf gegen das Regime an, zusammen mit Arvid Harnack, Harro Schulze-Boysen und John Sieg gehörte er zu den wichtigsten Mitgliedern der weit vernetzten Widerstandsgruppe “Rote Kapelle” in Berlin.

Parallel arbeitete Kuckhoff nach 1933 als Lektor für den Ullstein-Verlag, auch schriftstellerisch blieb er tätig: 1937 erschien zunächst in der Kölnischen Zeitung als Fortsetzungsroman, dann bei Rowohlt als Buch der “Der Deutsche von Bayencourt”, die Romanfassung eines Dramas, das bereits während des Ersten Weltkriegs entstanden war — erzählt wird die tragische Geschicht eines deutschstämmigen Gutsbesitzers mit französischer Staatsbürgerschaft, der zu Beginn des Westfeldzugs zwischen die Fronten gerät.

Mehr zu Edwin Tietjens:

Der aus Petersburg stammende Psychiater und Werbepsychologe Edwin Tietjens (1894 – 1944) lebte und arbeitete während der 1920er und 1930er Jahre in Berlin, zuletzt als Leiter der Werbeabteilung einer Schuhfabrik.

Bereits während der Weimarer Republik hatte Tietjens einen Sachbuch-Bestseller verfasst („Die Desuggestion: ihre Bedeutung und Auswertung, Gesundheit, Erfolg, Glück“, 1928), als Ko-Autor von Adam Kuckhoff erlebte er 1940/41 sein literarisches Debut.

Wie Kuckhoff war auch Tietjens im Umfeld der Widerstandsgruppe „Rote Kapelle“ aktiv. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Luigina von Fabrice versteckte Tietjens während des Zweiten Weltkriegs eine jüdische Fabrikarbeiterin und deren Mutter, dafür wurde das Ehepaar später mit dem israelischen Ehrentitel „Gerechte unter den Völkern“ ausgezeichnet.


Coverabbildung:
Zar Nikolaus II. & Familie in Mogilev, 1916 (Ausschnitt)
Bildquelle: Romanov Collection, Beinecke Rare Book & Manuscript Library,
Yale University

Portrait:
Adam Kuckhoff auf DDR-Briefmarke (1964),
Wikimedia/Public Domain